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Anlass für die Vereinsgründung von Cinderella war, dass im Frühjahr 1984 an der Nervenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München eine Untersuchung über Ursache und Verbreitung von Ess- und Magersucht durchgeführt wurde, bei der sich zeigte, dass Ess- und Magersucht in der Bundesrepublik Deutschland in überraschendem Maße verbreitet waren.
Cinderella wird überall dort tätig, wo andere Maßnahmen zur Bekämpfung der Essstörung (noch) nicht greifen: Als niedrigschwellige Erstberatung mit den Zielen Situationsabklärung, Beratungsgespräche werden ein- oder bei Bedarf mehrmals durchgeführt. Ziel ist immer die Klärung der derzeitigen Situation und Weitervermittlung an eine geeignete ambulante oder stationäre Therapie oder eine andere geeignete Hilfemaßnahme beziehungsweise bei der Nachsorge Hilfen zum Übergang zu schaffen in ein „therapiefreies“ Leben. Es ist unsere Ansicht, dass Angehörige und auch Freunde von Essstörungen Betroffener ebenfalls betroffen sind und unsere Hilfe und Unterstützung benötigen. Die Prävention Jugendlicher wird an den Risikofaktoren orientiert durchgeführt, LehrerInnen, ErzieherInnen, SozialpädagogInnen werden darin ausgebildet und erhalten im Einzelfall Rat und Unterstützung. In der Beratungsstelle tätig sind eine Psychologin und eine Sozialpädagogin sowie ein Team aus der Ernährungsberaterin und Gruppenleiterinnen als Honorarkräfte. Die Formen der Essstörungen mit ihren Krankheitsbildern Bulimia nervosa, Anorexia nervosa und binge eating (Essanfälle ohne kompensierende Maßnahmen) sind bekannt. Sie sind mit schwerwiegenden sozialen, psychischen und körperlichen Folgeschäden verbunden. Maßgebliche Ursachen von Essstörungen sind die Folgen des in der Gesellschaft so bedeutsam gewordenen Schlankheitsideals sowie individuelle Faktoren. Risikofaktoren für Essstörungen sind ein geringes Selbstwertgefühl und eine gestörte Körperwahrnehmung. Untersuchungen zeigen, dass ein offensichtlicher Zusammenhang zwischen westlichen Schönheitsidealen und dem Vorkommen von Essstörungen besteht. Das Einstiegsalter in Essstörungen ist in den letzten Jahren im Durchschnitt erheblich abgesunken. Während in früheren Jahren Essstörungen fast ausschließlich bei Mädchen und jungen Frauen diagnostiziert wurden, kommen sie heute immer häufiger auch bei Frauen im Alter von über 30 und über 40 Jahren vor. Auch Männer sind von Essstörungen betroffen, aber immer noch in sehr viel geringerer Anzahl als Frauen und Mädchen (im Verhältnis 12 bzw.13:1). An Häufigkeit zugenommen haben in den vergangenen Jahren vor allem die so genannten nicht spezifizierten Essstörungen, bei denen die Diagnosekriterien der oben genannten Krankheitsbilder nicht erreicht werden, wo aber dennoch von einer Essstörung auszugehen ist und diese auch diagnostiziert wird. Das in letzter Zeit häufig besprochene Problem Adipositas (Übergewicht) hängt in vielen Fällen auch mit einer Essstörung zusammen. Als ein besonders schwerwiegendes Problem wird das häufige Vorkommen von Übergewicht bei Kindern angesehen. Zum Umgang mit von Essstörungen Betroffenen Wir werden häufig gefragt: Wie spreche ich jemanden am besten auf seine Essstörung hin an? 1. die Person, bei der die Essstörung vermutet wird, ist froh, dass sie auf das anstehende Problem hin angesprochen wird und nimmt das Angebot, sie/ihn bei der Bewältigung der Essstörung zu unterstützen, gerne an. Empfohlene Reaktion 2. Die Reaktion ist zwiespältig: Sie/er sieht ein, ein Problem zu haben, aber helfen lassen möchte man sich doch nicht. Und eigentlich ist es ja auch gar kein richtiges Problem, man bekommt das schon in den Griff. Empfohlene Reaktion 3. Die/der Angesprochene „mauert“: Nein, sie/er habe kein Problem, man soll sie in Ruhe lassen, sie/er will davon nichts hören. Empfohlene Reaktion Das bisher Empfohlene gilt vor allem für Freunde der von Essstörungen Betroffenen. Nahen Familienangehörigen und den Partnern der Betroffenen ist zu empfehlen, eigene fachliche Hilfe für ihre Situation zu suchen, vor allem, da sie möglicherweise selber in die Störung involviert sind. Bei einer Beratung oder beim Gespräch mit einem Psychotherapeuten kann unter Umständen eine Möglichkeit zur Änderung des eigenen Verhaltens gefunden werden, die sich dann auch auf die Betroffenen auswirken kann. Zudem kann eine Person, die in naher Beziehung zu einer/einem von Essstörungen Betroffenen steht, so weit mit leiden, dass sie für sich selber auch Hilfe benötigt. |